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DMSG-Forschungsförderung für Einzelprojekte - 2

Dr. Stefan Jordan, Charité Universitätsmedizin Berlin. Bild: Charité Universitätsmedizin Berlin

Ausgabe 2/20 - Die Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Erkrankung des Nervensystems bei jungen Erwachsenen. In Deutschland schätzt man die Zahl der MS-Erkrankten auf mehr als 250.000. Obwohl in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte in der Behandlung der MS erzielt werden konnten, ist MS nicht heilbar und führt häufig zu bleibenden Einschränkungen. Zudem gehen die verfügbaren Therapien auch mit relevanten Nebenwirkungen und Risiken einher. Daher ist Forschung, die sich auf das Verständnis der Krankheitsauslöser und der Faktoren, die die Krankheit beeinflussen, wenn sie denn erstmal entstanden ist, von größter Wichtigkeit. Der DMSG-Bundesverband hat daher die „beeinflussbaren Risikofaktoren“, sogenannte Umweltfaktoren, 2019 zum Thema seiner nationalen Forschungsförderung gemacht (Wir berichteten in aktiv! 03/2019) und unterstützt zu diesem Thema nun zwei von elf Bewerbern nach einer internationalen Begutachtung. Eines zur Krankheitsentstehung und eines zur Verlaufsbeeinflussung. 

Kalorien und Multiple Sklerose: Wie Nahrungsenergie die Funktion entzündungsfördernder Immunzellen reguliert (Original: „Food energy in multiple sclerosis: The role of cellular energy-sensors for pathogenic spinal cord infiltration and monocyte proinflammatory function”) 
Projektleiter: Dr. med. Stefan Jordan, Charité Universitätsmedizin Berlin, Charité Centrum für diagnostische und präventive Labormedizin, Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie, Fördersumme über 24 Monate: 185.900,00 Euro 

Ernährung ist ein wichtiger Faktor im klinischen Verlauf von MS. Daher liegt es nahe, bestimmte Ernährungsweisen gezielt zur unterstützenden Behandlung einzusetzen. Insbesondere Diäten, welche – zumindest zeitweise – die Zufuhr von Kalorien verringern, führen häufig zu einer Verbesserung der Symptome bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie MS. Dementsprechend werden Ernährungsmuster wie Intervallfasten derzeit verstärkt in klinischen Studien untersucht. Aber welche Mechanismen stecken dahinter, dass sich eine reduzierte Kalorienzufuhr positiv auf den Krankheitsverlauf von MS auswirken kann? 

In den vergangenen sechs Jahren hat Dr. Jordan in New York erforscht, wie sich die Ernährung auf das Immunsystem auswirkt. Dabei hat er die Entdeckung gemacht, dass der Energiegehalt der Nahrung die Aktivität bestimmter Zellen des Immunsystems, der sogenannten Monozyten, reguliert. Monozyten spielen eine bedeutende Rolle für das Entzündungsgeschehen, daher untersuchte er den Effekt von Intervallfasten auf den Krankheitsverlauf von MS in einem Tiermodell. Tatsächlich führte Intervallfasten zu einer deutlichen Verbesserung der klinischen Symptome. „Am meisten faszinierte mich daran aber die Tatsache, dass die entzündungsfördernde Aktivität von Monozyten in fastenden Tieren vollständig ausgeschaltet war“, so Dr. med. Jordan. 

Im Herbst 2019 wechselte Dr. Jordan an die Charité in Berlin, um dort eine Arbeitsgruppe zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen Ernährung und chronisch entzündlichen Erkrankungen aufzubauen. Über die Forschungsförderung der DMSG freut er sich sehr: „Damit wird es möglich sein, die Forschung zu den molekularen Vorgängen, wie Intervallfasten die entzündungsfördernde Aktivität von Monozyten blockiert, in Berlin mit einem Schwerpunkt auf MS weiter voranzutreiben.“ Auf Grundlage seiner bisherigen Forschungsergebnisse wurden Moleküle identifiziert, welche in den Monozyten vorhandene Energie messen und für die Hemmung der entzündungsfördernden Aktivität während des Intervallfastens in Frage kommen. Mit molekularbiologischen Methoden werden diese Moleküle nun gezielt aus den Monozyten entfernt, um anschließend die Auswirkungen auf die Zellaktivität, das Entzündungsgeschehen und schließlich auf den Krankheitsverlauf der MS im Tiermodell zu analysieren. 

Warum lohnt es sich, die Rolle dieser zellulären Energiedetektoren im Detail zu untersuchen? „Zum einen wird uns das erworbene Wissen mittelfristig dabei helfen, Diäten und Fastenprogramme optimal auf die molekularen Mechanismen hin auszurichten, um so den größtmöglichen Nutzen für die Behandlung von MS zu erhalten. Zum anderen stellt Fasten ohne Zweifel auch eine physische und psychische Belastung dar. Wenn wir genau verstehen, über welche molekularen Prozesse die heilende Wirkung des Fastens vermittelt wird, so könnte dies langfristig zur Entwicklung innovativer Medikamente beitragen, welche vielleicht nicht die unerwünschten Nebenwirkungen derzeit eingesetzter Entzündungshemmer mit sich bringen“, sagt Dr. Jordan. 
 

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